Auch schlanke Menschen können fett sein

Auch schlanke Menschen können fett sein

Schlank zu sein, ist im Trend, denn die Werbung suggeriert: Nur wer schlank ist, der ist auch gesund. Das ist natürlich Unsinn, da dicke Menschen ebenso gesund sein können wie schlanke Menschen krank. Was aber erstaunlich ist, auch schlanke Menschen mit einem passgenauen Body-Mass-Index können zu viel Körperfett haben. Ist das der Fall, dann leben die Schlanken wie auch die Übergewichtigen, mit einem hohen Risiko für Demenz, für einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt, für Diabetes oder Krebs.

Was ist „Skinny Fat“?

Jeder weiß, was Adipositas bedeutet und wie gefährlich krankhafte Fettsucht ist. Mit jedem zusätzlichen Kilo steigt die Gefahr, an Krebs zu erkranken, den Blutdruck in die Höhe zu jagen und das Herz irreparabel zu schädigen. Was viele dabei aber gerne übersehen, es kann nicht nur auffallend dicke Menschen treffen. Auch 40 Prozent der Menschen, die schlank sind, haben das gleiche Problem: Sie haben zu viel Körperfett. „Skinny Fat“ nennen das die Experten, also dünnes Fett. Es ist ein sehr trügerisches Phänomen, da der Body-Mass-Index in diesen Fällen keine Bedeutung mehr hat. Der BMI kann zwar einen Wert unter 25 und damit das Normalgewicht anzeigen, aber die Rechnung ist trotzdem falsch, da es beim BMI einen Denkfehler gibt. Der Body-Mass-Index setzt das Gewicht und die Körpergröße in einer Relation zueinander. Es gibt jedoch zwei Faktoren, die dabei keine Berücksichtigung finden: das Fett und die Muskelmasse. Vermeintlich schlanke Menschen haben ein Problem, wenn es um die Körperzusammensetzung geht: Sie haben zu wenig Muskelmasse, aber dafür viel zu viel Fett. Das haben sie mit denjenigen gemeinsam, die unter Adipositas leiden.

Die Gefahr für die Organe

Bei Menschen mit Adipositas lagert sich das Fett in den Organen ein und das strapaziert und gefährdet die Gesundheit. TOFIs (Thin outside, fat inside) nennen Gesundheitsexperten diejenigen, die äußerlich schlank, aber innen fett sind. Diese Menschen müssen sich vor Fettleber wie auch vor einen viel zu hohen Blutdruck, vor Schlaganfällen, Diabetes Typ 2 und Krebs fürchten. Schlanke Menschen machen sich darüber keine Gedanken, denn rein äußerlich ist das Fett ja auch nicht sichtbar. Wie lässt sich das „Skinny Fat“ aber erkennen? Wissenschaftler haben diverse Studiendaten ausgewertet und beschreiben das „schlanke Fett“ an unterschiedlichen Körperstellen. Schlanke Menschen mit „Skinny Fat“ haben auffallend schmale Gelenke, keine nennenswerte Muskulatur, eingefallene Schultermuskeln, eine eingesunkene Brust und kleine, kaum wahrnehmbare Spiralröllchen am Bauch.

Einfach nachmessen

Schlanke Menschen, die nicht wissen, ob sie zu den TOFIs gehören, können das mit der Hilfe eines normalen Maßbands sehr schnell erkennen. Mit dem Maßband wird der Umfang des Bauches ermittelt, gemessen wird immer auf der Höhe des Bauchnabels zwischen zwei Atemzügen. Bei Frauen ist es wichtig, in der ersten Hälfte des Zyklus zu messen, um ein möglichst genaues Ergebnis zu erzielen. Liegt der Umfang bei Frauen über 80 Zentimetern und bei Männern über einer Grenze von 94 Zentimetern, dann ist das Risiko groß, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Warum ist der Umfang des Bauches so interessant? Ganz einfach, durch ihn lässt sich die genaue Verteilung des Körperfetts aufdecken. Unterschieden wird dabei in einen Birnen- und in einem Apfeltyp, wobei der Birnentyp der Gesündere von beiden ist. Bei dieser Figur verteilen sich die kleinen Pölsterchen im sogenannten subkutanen Unterhautfettgewebe an den Beinen und am Po. Optisch stören diese Pölsterchen vielleicht, aber da sie nicht stoffwechselaktiv sind, können sie kaum Schaden anrichten.

Der Apfeltyp lebt gefährlich

Immer dann, wenn sich das Fett in der Mitte des Körpers findet, dann ist von einem Apfeltyp die Rede. Diese Fettpölsterchen sind hart und sie lassen sich nicht so einfach greifen. Männer mit einem runden dicken Bauch gehören diesem Typus an, aber auch junge Mädchen, die sich nicht richtig ernähren und sich zu wenig bewegen. Sie haben das, was die Medizin viszerales Fett nennt, den hauptsächlichen Verursacher von Erkrankungen, die auf einer falschen Ernährung basieren. Dieses Fettgewebe setzt neben Botenstoffen, die eine Entzündung fördern, auch Hormone ab, zudem ist das Gewebe noch stoffwechselaktiv. Die Hormone und die Botenstoffe können eine Entzündung in den Fettzellen auslösen und bilden damit die Grundlage für einen Herzinfarkt, für Krebs oder eine Resistenz gegen Insulin. Daher ist für TOFIs die richtige Ernährung sehr wichtig.

Wie lässt sich zu viel Fett nachweisen?

Um den Fett- und Muskelanteil zu messen, ist eine der modernen Körperfettwaagen nur bedingt geeignet. Meist messen diese Waagen nur den Fettanteil in den Beinen und das ist leider nicht sonderlich aussagekräftig. Das Fett nachweisen lässt sich am besten mittels eines großen Blutbildes. Ein nur mäßig hoher Nüchternblutzucker, zu hohe Entzündungs- oder Leberwerte sind deutliche Warnhinweise dafür, dass etwas passieren muss. Allerdings ist viszerales Fett sehr hartnäckig und lässt sich auch mit Ausdauertraining, zum Beispiel auf dem Stepper oder mit gezielten Übungen für den Bauch, nicht vertrieben. Hilfreich ist ein intensives Krafttraining, denn das bringt das Fett tatsächlich zum Schmelzen.

Die richtige Ernährung

Auch Menschen mit einer zumindest optisch schlanken Linie, die aber mit viszeralem Fett leben, müssen sich gesund und ausgewogen ernähren. Industriezucker, weißes Mehl, Alkohol, Fast Food, Süßigkeiten und zu kalorienreiches Essen begünstigen die Fettreserven und lassen den Blutzuckerspiegel sprungartig in die Höhe schießen. Der Körper beginnt damit, immer mehr Insulin zu produzieren, und lagert in der Folge viel zu viel Fett ein. Um das ungeliebte und gefährliche Fett wieder loszuwerden, ist es eine gute Idee, bei den Hauptmahlzeiten stets auf frische Zutaten zu setzen. Die Hälfte sollte aus frischem Gemüse, aus wenig tierischem oder pflanzlichem Eiweiß bestehen, auch gesundes Fett ist erlaubt. Omega-3-Fettsäuren sind gesundes Fett und sie finden sich im Fisch ebenso wie in Nüssen oder in Olivenöl. Kohlenhydrate sind zwar wichtig für den Organismus, aber zu viel davon ist nicht gesund.

Fazit

Schlank ist nicht schlank. Auch wer eine vermeintliche schmale Silhouette hat, kann zu viel Fettgewebe haben. Dieses versteckte Fett ist gefährlicher als das deutlich sichtbare Fett, denn die Betroffenen merken oft nichts davon. Erst eine Blutuntersuchung bringt dann die Wahrheit an den Tag und so müssen viele schlanke Menschen über einen neuen Ernährungsplan nachdenken. Eine ausgewogene Ernährung, gesundes gutes Fett und auch ein gezieltes Training lassen das Fett wieder verschwinden und sorgen für ein gesundes Leben.

Bild: @ depositphotos.com / hquality

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Autorin: Ulrike Dietz
Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen. Email: ulrike.d@gesunde-abnehmen-tipps.de
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